Der steinige Weg in die Tiefe: mit ehrenamtlichem Engagement in der Höhlenforschung.
Karst- und Dolinenforschung
Forschung beginnt an der Oberfläche. Die Identifikation und Dokumentation von Karsterscheinungen und Dolinen ist oft der erste entscheidende Schritt, um neue Zugänge zum unterirdischen System zu finden.
Hier sind klassische ehrenamtliche Feldarbeit und Teamgeist gefragt: Gemeinsame Geländebegehungen führen zu jenen unscheinbaren Stellen, an denen das Wasser den Weg in die Tiefe nimmt. Jede dokumentierte Doline und jedes neu entdeckte Schluckloch ist ein wichtiger Mosaikstein im Gesamtbild des Systems.
Das oberste Ziel der Dolinen-Grabungen ist es, einen trockenen Zugang zum aktiven Donau-Aach-System zu finden – jenen wasserführenden Gängen, die die Schwarze Donau bilden. Sobald ein vielversprechender Zugang gefunden ist, beginnt die eigentliche Knochenarbeit. Die Höhlenforscher dringen dabei in oft extrem enge und schlammige Spaltensysteme unterhalb der Dolinen vor.
Massive Verstürze müssen gesichert und zäher Lehm in mühsamer Handarbeit abtransportiert werden, um in unentdecktes Neuland vorzustoßen. Die hochpräzise Vermessung (Kartografie) der neu entdeckten Räume sichert die Erkenntnisse langfristig für die Wissenschaft.
Vorstoß ins UnbekannteKI-optimiert
Infrastruktur unter TageKI-optimiert
Präzise HöhlenvermessungKI-optimiert
Aktuelles Grabungsprojekt (2026)
Der Schlangenmäander
Ein schöner Erfolg für das Team: Im Jahr 2026 gelang in einer aktuellen Forschungsdoline die Entdeckung eines völlig neuen Gangsystems. Durch den (der Name sagt alles) engen Schlangenmäander fließt sogar ein eigener kleiner Bachlauf – ein starkes Indiz dafür, dass wir uns auf einem guten Weg zum aktiven Wasserleiter befinden.
Die Vermessung und Erforschung dieses Neulands ist aktuell in vollem Gange. Werde Teil des Teams und hilf dabei, den Weg des Wassers weiter in die Tiefe zu verfolgen!
Im neu entdeckten Schlangenmäander (Februar 2026)KI-optimiert
Das fossile System: Die Blätterteighöhle
Ein faszinierender Kontrast zu den nassen Dolinen-Schächten ist die Blätterteighöhle. Anders als die tiefen Grabungen, die zum reißenden Wasser führen sollen, handelt es sich hierbei um eine inaktive, fossile Fortsetzung des Donau-Aach-Systems. Hier hat sich der unterirdische Fluss längst zurückgezogen und eine völlig andere Umgebung hinterlassen.
Wo kein Wasser mehr fließt, dominiert die Ruhe der Geologie: Fantastische Deckensinter, fragile Tropfstein-Strukturen und jede Menge Sediment (das raus muss!) prägen das Bild dieser Gänge und Hallen.
Der Schachtzugang auf dem Dornsberg war das erste große Fenster in die Tiefe. Er bietet bis heute die einzige Möglichkeit, den massiven Versturz im Quellbereich zu umgehen und das System hinter dem Aachtopf wissenschaftlich zu erschließen.
Nach 13 Jahren ehrenamtlicher Pionierarbeit gelang 2003 der Durchbruch zum Grundwasserleiter (Dolinensee). Dieser Schacht ist heute die logistische Basis für Forscher und Taucher, um das aktive Höhlensystem jenseits des Versturzes erkunden zu können.
Ob als aktiver Höhlenforscher bei den Grabungen, als Höhlentaucher, oder als förderndes Mitglied an der Oberfläche – jede ehrenamtliche Hilfe bei der Erforschung des Donau-Aach-Systems bringt das Projekt voran.
Mit den Mitgliedsbeiträgen wird die Ausrüstung der ehrenamtlichen Forscher, der Unterhalt der Schachtanlagen und der Erhalt von wissenschaftlichen Dokumentationen gesichert.
Erlebnisbericht über die Entdeckung des ersten Hohlraumes auf dem Dornsberg. Von Rudolf Martin.
Am 22.09.1995, Freitagabend, war wie gewohnt wieder „Höhlentermin“. Normalerweise laufen diese Abende immer im gleichen Rhythmus ab. An zwei oder drei Abenden wird gegraben, an den nächsten 3 - 4 verbaut. Auf diese Weise kam bis anhin ein Schacht von ca. 20m Tiefe zustande. An diesem Tag wäre Verbauen angesagt gewesen. Ich aber hatte mir mehr vorgenommen.
Vor zwei Wochen tat sich nämlich den Ausgräbern ein ca. 5m tiefes Loch auf, das sich nach links und rechts als ca. 5 - 15 cm hoher Hohlraum unter einem Felsrücksprung fortsetzte. Dies genauer zu untersuchen war meine Absicht.
An diesem Abend wollten 8 bis 9 Leute kommen. Mein Plan war, dass ich bei so vielen Helfern abkömmlich wäre, um dann in diesem Loch meine „Probegrabungen“ durchführen zu können. Leider wurde aus diesem Plan nichts, denn um 19.00 Uhr war außer René und Niko niemand da. Zu dritt kann aber nicht verbaut werden. So musste ich gleich hinabsteigen, bevor noch jemand kam und wir mit dem geplanten Verbau anfangen würden. Niko fiel gleich auf, dass ich zusätzlich noch eine Taschenlampe mit hinunter nahm und mein Ölzeug anhatte. Wenn man länger in dem nassen und kalten Lehm liegt, wird das ohne wasserdichte Kleidung recht unangenehm. Im Schacht unten angekommen, ließ ich mich auch sogleich bis an die tiefste Stelle des neu entdeckten Loches hinabgleiten. Dass es auf der rechten Seite keinen Sinn hatte weiterzugraben, war mir gleich klar. Auch direkt in die Tiefe war wegen der Enge auch nicht sinnvoll, zumal andere auch schon herumgestochert hatten und dabei feststellen mussten, dass ohne größeren Grabungsaufwand kein Weiterkommen war. Also schaute ich mir die linke Seite genauer an und was da so vor mir lag, sah nicht schlecht aus. Unter dem Felsrücksprung war, so weit man sehen konnte, das war allerdings nur ca. 1m, ein ca. 5cm hoher Hohlraum. Durch den oberen Quergang, der im Januar 1995 freigelegt wurde, wussten wir, dass nach ca. 2m eine lehmfreie Versturzzone kam. Es war anzunehmen, dass diese sich auch vertikal fortsetzte.
Ich musste aber gleich feststellen, dass es alleine zu mühsam und zu zeitaufwendig wäre, diesen Hohlraum zu erweitern, um einen Blick hinter die Lehmkuppe zu werfen.
Mittlerweile waren auch Niko und René in den Schacht abgestiegen. Nach kurzer Erläuterung meines Vorhabens, begannen sie meine Tätigkeit zu unterstützen, allerdings ohne große Begeisterung, eher nach dem Motto: „Besser ein bisschen graben, als sinnlos herumzustehen“. René erweiterte mit einem Stemmeisen das Loch nach unten und Niko verfrachtete die Stein, -und Lehmpakete auf die rechte Seite. Auf diese Weise kamen wir recht zügig voran. Nach ca. 1,5m wurde es aber so eng, dass ich auf dem Bauch liegend, jeden einzelnen Stein aus dem zähen nassen Lehm mit den bloßen Händen herauskratzen musste. Mühselig wurde dann diese Fracht aus der engen Röhre, am eigenen Körper vorbei, nach hinten weitergereicht. Jetzt ein großer Stein, und wir hätten aufgeben müssen. Ich war schon so weit vorgedrungen, um zu erkennen, dass sich der Hohlraum erweiterte.
Da hörte ich hinter mir Stimmen. Harald Schetter war gekommen. Mir war sofort klar, dass ich hier und jetzt nicht mehr weitergraben konnte, denn es stand ja Verbauen des Schachtes auf dem Plan. Immerhin räumten sie mir noch ungefähr 10min ein. Gerade solange wie die Vorbereitungen zum „Verbauen“ dauerten. Das war nicht viel Zeit und vor mir noch ein ungefähr kopfgroßer Stein, der im Lehm verklebt war. Dieser Stein verhinderte den Durchblick, im wahrsten Sinne des Wortes.
Hastig kratzte ich so gut es ging den Lehm neben dem Stein weg, um wenigstens den Kopf durchstecken zu können. Aber es reichte nicht. Und schon wieder der Ruf von hinten: „Komm jetzt endlich, wir wollen anfangen“. Jetzt gab es für mir nur noch eins: Helm ab und versuchen den Kopf durch das Loch zu stecken, egal ob die Haare lehmverklebt werden oder nicht. Und ich schaffte es. Was ich aber da vor mir sah, war nicht viel. Durch die Anstrengungen erzeugte ich so einen Dampf, dass nur dichte Nebelschwaden zu sehen waren. Also hielt ich die Luft an, damit wenigstens mein Atem nicht die Sicht behinderte. Langsam wurden Konturen sichtbar. Vor mir eine, wie vermutet, lehmfreie Versturzzone, die, wenn man die Steine auf die Seite räumte, gut zu durchkriechen wäre. Trotz des Dunstes konnte ich dahinter einen größeren Raum erkennen, der sich im hinteren Teil leicht absenkte. Ich wusste, bevor ich nicht dort drin war, würde ich heute nicht heimgehen. Wer schon einmal auf Entdeckungstour war, weiß, was es von mir an Selbstdisziplin abverlangte, an dieser Stelle den Rückzug anzutreten.
Außer René war niemand mehr im Schacht. Sogleich schilderte ich ihm begeistert meine Entdeckung, aber seine Resonanz war für mich enttäuschend zurückhaltend - „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. So ungefähr lautete seine Antwort und es blieb mir nichts anderes übrig, mich in Geduld zu üben und so fingen wir halt mit dem Verbauen an. Mittlerweile kam jetzt auch Norbert aus Freiburg, der uns unten im Schacht half. Das gab mir die Chance aufzusteigen und den beiden oberen, Harald und Niko, meine Entdeckung mitzuteilen. Auch hier herrschte gebremster Optimismus - „ach ja, das wird dasselbe sein, wie im oberen Quergang“. Den ganzen Abend saß ich wie auf Nadeln. Es war wie an Weihnachten, wo wir als Kinder in der Küche warten mussten, bis die Eltern im Wohnzimmer den Christbaum geschmückt hatten. Und es zog sich hin.
Meine Euphorie wurde langsam aber sicher durch die Müdigkeit und Kälte gedämpft. Auch bei den beiden oberen machte sich Müdigkeit breit, schließlich war Mitternacht schon längst vorbei. Aber dennoch wollte keiner heim; „vielleicht war es ja doch der lang ersehnte Durchbruch“. Endlich: 1.45 Uhr, das letzte Querholz wurde in den Verbau eingeschoben und ich war plötzlich wieder hellwach. René trank sein Feierabendbier und meinte lakonisch: „Dann kriech halt noch in dein Loch“. Die Worte waren kaum ausgesprochen, da lag ich schon wieder in dem Kriechgang und versuchte den letzten Stein mit klammen Fingern aus dem Lehm zu zerren. Endlich war der Weg frei. Die Öffnung war gerade so groß, dass sich ein mittelgroßer Mensch mit Mühe durchzwängen konnte. Langsam schob sich mein Körper vor, den Kopf schon in dem Versturzraum. Vorsichtig räumte ich die Steine auf die Seite, immer wieder mit dem Blick nach oben, denn die Decke bestand hier nicht aus massivem Fels, sondern war ein loses Gewirr von Steinen und Felsblöcken. Ich versuchte so wenig wie möglich zu berühren oder zu verändern. Eine falsche Bewegung, einen falschen Stein auf die Seite gerückt und das Ganze stürzte zusammen wie ein Kartenhaus. Weiter hinten wurde es glücklicherweise etwas geräumiger und ich konnte diese gefährliche Stelle rasch überwinden.
Im Schacht machte sich die erste Begeisterung breit. Norbert rief den anderen zu: „Er ist durch“.
Nachdem ich mich kurz umgeschaut hatte, stellte ich fest, der Raum war groß genug, dass alle 5 Leute darin Platz hätten und es auch relativ versturzsichere Bereiche gab. Norbert, René und Harald folgten mir nach.
Niko blieb aus Sicherheitsgründen zurück, aber nicht ohne einen neugierigen Blick durch das Schlupfloch zu werfen. Dem ersten Anschein nach, ging es hier nirgends weiter. Zwar gingen überall Spalten und Risse in die Tiefe, aber alle zu eng um durchschlüpfen zu können. Harald hakte die Höhle schon ab: „leider doch nicht der große Durchbruch“, und kroch zurück.
Dann entdeckte Rene ungefähr in der Mitte der ca. 6m langen Halle ein Loch in dem man ziemlich tief hinabsehen konnte. Ganz unten war eine etwa fuchslochgroße Öffnung wahrzunehmen. Leider wurde der Einstieg von einer Steinplatte versperrt. Wenn man diese Platte zertrümmern könnte, wäre der Abstieg geräumig genug, um bis an das „Fuchsloch“ vordringen zu können. Also kroch Norbert zurück, um einen Fäustel und ein Seil zu holen. Dabei bewegten sich zwei mächtige Felsen über Renés Kopf. Uns war klar, bevor diese beiden Felsbrocken nicht weggeräumt waren, wäre ein Durchschlüpfen zu gefährlich. Wir machten uns sogleich daran die kleineren Steine auf die Seite zu stapeln. Die beiden großen Brocken konnten wir nur mit Mühe in Bewegung setzen und warfen sie mit vereinten Kräften hinunter, wo sie neben dem Abstiegsloch zum liegen kamen. René zertrümmerte die Felsplatte bis das Loch groß genug war, um einen Durchstieg zu wagen.
Nun kam die Entscheidung, wer steigt als erster hinab. Wir einigten uns, dass René den ersten Versuch unternimmt. Nach kurzem Zögern, um das Risiko noch einmal abzuwägen, stieg er ein. Im ersten Moment sah es aus, als ob er in dem Loch stecken bleiben würde, aber dann schaffte er es doch noch, sich durch die enge Spalte zu quetschen. Zu sehen war jetzt nur noch sein Helmlicht, das sich rasch tiefer bewegte. Dafür drang ein beängstigendes Rumpeln und Poltern nach oben, das sich anhörte, wie wenn eine Elefantenherde durch einen Porzellanladen trampelt. Schließlich verschwand er völlig in dem Durchschlupf.
Sekunden der Stille und Anspannung bei uns oben; und dann ein Freudenschrei von unten: „Wir haben es geschafft, bringt den Sekt!“. Wir gaben diese Freudenbotschaft sofort in den Schacht weiter, was aber nicht nötig gewesen wäre, denn die hatten das Freudengeschrei schon selbst vernommen.
Jetzt war kein Halten mehr und das Höhlenfieber griff rasch auf alle über. Als nächster zwängte ich mich durch den Spalt, mit den Füßen nach einem sicheren Tritt tastend. Der weitere Abstieg bis zum „Fuchsloch“ brachte dann keine Probleme mehr, da sich dieser Abschnitt als geräumiger erwies, als es zuerst von oben aussah. Auch das sogenannte „Fuchsloch“ war wesentlich größer und leicht zu durchkriechen.
Da stand nun René etwas verloren in einer Halle, die so groß war, dass seine Stirnlampe sie nicht ausleuchten konnte. Wir beschlossen auf die anderen drei zu warten, um dann gemeinsam die Höhle zu erforschen. Bis sie abgestiegen waren, sahen wir uns die nähere Umgebung an. Eine ca. 30m lange Halle, 6m breit, 2,5m hoch, eine graue, topfebene Decke, ebenso der Boden, die linke Seite stark abfallend und zum Teil mit Felsversturz gefüllt. An der rechten Seite erhob sich vor dem Fels eine fast senkrechte Lehmwand. Da sie nicht direkt an den Fels anstand, wirkte sie wie ein riesiger Vorhang der den Höhlenraum begrenzte. Ein wunderbarer Kontrast zwischen der gelben Lehmwand und dem dunklen Felsgestein der Decke und des Bodens. Es war fast wie das Gefühl, auf einer Bühne zu stehen, wo sich jeden Moment der Vorhang öffnen musste. Links hinten schien es über eine Lehmhalde durch ein fast scheunentorgroße Öffnung weiterzugehen. Wir einigten uns, mit diesem Höhlenteil unsere Erforschung zu beginnen. Gegen jedes Sicherheitsgebot stiegen alle fünf nun ab. Wäre oben die Versturzzone eingebrochen, wären alle hier eingeschlossen gewesen und niemand hätte Hilfe holen können. Aber an so was dachte in diesem Moment keiner; zu groß war die Neugierde.
Leider mussten wir nach einem kurzen Abstieg feststellen, dass am Wandfuß der Fortgang verschüttet war. Nachdem wir den Rest der Höhle abgesucht hatten und keine offensichtliche Fortführung entdeckten, beschlossen wir, da es mittlerweile 4.00 Uhr morgens war, die weitere Entdeckungstour auf den nächsten Tag zu verschieben. Oben wieder angekommen köpften wir erst einmal die Sektflasche und feierten unseren ersten „Durchbruch“.
Für diesen Samstag war schon seit längerer Zeit das „Höhlenfest“ geplant, so entschlossen wir uns, erst am Sonntag um 10.00 Uhr morgens wieder einzufahren. Nach einer kurzen Nacht von 2 1/2 Std., innerlich immer noch aufgewühlt, gab es am Fest natürlich nur ein Thema. Schließlich entdeckt man nicht alle Tage eine neue Höhle. Leider waren nur wenige Leute anwesend, weshalb wir Mühe hatten, den Inhalt des Bierfässchens zu „vernichten“. Außerdem steckte allen noch die lange Nacht in den Knochen und so kam es, dass das Fest um 19.00 Uhr schon sein Ende fand.
Hochmotiviert trafen wir uns am Sonntagmorgen wieder an der Doline. Der eine oder andere hatte etwas Mühe mit der Zeitumstellung, die an diesem Wochenende durchgeführt wurde. So kam es, dass mancher schon um 9.00 Uhr ungeduldig wartete. Ausgerüstet mit Foto, Kompass und Kletterzeug ging es in die Tiefe. René hatte bei der Erstbefahrung eine recht große Spalte entdeckt, die uns Hoffnung auf eine Fortsetzung der Höhle machte. Nachdem wir die Höhle fotografiert hatten, gingen Harald und Niko daran, sie zu vermessen. René und ich versuchten einen Fortgang zu finden, was sich leider als negativ herausstellte. Außer ein bisschen Fledermauskot und ein Laubblatt rechts hinten in der Ecke, was aber insofern bemerkenswert ist, da man sich hier ungefähr fast 60m unter der Erdoberfläche befindet, war nichts zu entdecken.
Erst in den nächsten Wochen wird es sich vielleicht zeigen, wie es mit dem Projekt „Aachhöhle“ weitergeht. Auf jeden Fall wird das weitere Vordringen in das System der Aachhöhle wieder mit erheblicher Arbeit verbunden sein.
Auch wenn es noch nicht der ganz große „Durchbruch“ war, so war es doch ein tolles Gefühl, als erster Mensch in diesen Räumen gewesen zu sein. Ich hoffe, dass die Aachhöhle uns noch öfters solche positiven Überraschungen bereithält.
Rudolf Martin Radolfzell, den 26.09.1995
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Ein ereignisreiches Wochenende Teil II
Erlebnisbericht über die Entdeckung des ersten Höhlensees auf dem Dornsberg, Gewann Eggen, oder die Geschichte mit den 10 Eimern. Von Rudolf Martin.
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Den letzten Erlebnisbericht konnte ich anlässlich der Entdeckung der Grauen Halle am 22. 9. 1995 schreiben. In meinem damaligen Schlusssatz äußerte ich die Hoffnung, dass die Aachhöhle uns noch öfters solche positiven Überraschungen, wie es die Entdeckung der Grauen Halle war, bereithält. Zwar hatte ich geschrieben, dass noch viel Arbeit auf uns warten würde, dass es aber dann doch über 8 Jahre gehen sollte, bis solch ein Ereignis wieder eintreffen würde, glaubte damals natürlich niemand. Besonders in letzter Zeit nahmen die kritischen Stimmen zu, die an dem ganzen Projekt zweifelten. Auch mussten wir uns schon manchen Hohn und Spott anhören. Umso erfreulicher das Ereignis am 28./29. 11. 2003.
Schon vor einigen Wochen wollte Bernd beim Graben seltsame Geräusche wahrgenommen haben. Dies wurde allerdings, wie üblich, als blühende Fantasie oder Ohrensausen abgetan. Als es dann allerdings vor zwei Wochen beim zertrümmern der großen Blöcke verdächtig hohl klang, wurde der Sache doch mehr Aufmerksamkeit geschenkt und das Höhlenfieber schien bei manchen schon auszubrechen. Besonders, als am letzen Freitag sogar rechts eine Spalte aufgemacht wurde, die aber nicht befahrbar war. Das hörte sich alles spannend an. Aber konnte da unten wirklich noch was Sensationelles kommen? Schließlich waren wir nur noch 4 – 5 m über dem Aachtopfniveau. Konnte man so tief noch mit einer größeren Halle rechnen? Ich selbst glaubte eigentlich nicht mehr daran und befasste mich gedanklich schon mit der Fortführung des Quergangs. Dieser Quergang wurde im Sommer 2002 entdeckt und bis auf eine Länge von ca. 10m soweit freigelegt, dass man ihn kriechend befahren konnte. Am 5. 11. 2002 waren wir dann nicht schlecht überrascht, als dieser Quergang vom Hochwasser überflutet war, obwohl er noch 11m über Wasserniveau der Aachquelle liegt. (Die Quelle hatte zu diesem Zeitpunkt eine Schüttung von über 15m³/sec.) Immerhin konnten wir durch dieses Hochwasser feststellen, dass das Wasser in pumpender Bewegung nach hinten abfloss. Somit war klar, dass es eine direkte Verbindung zum aktiven System geben musste. Wir beschlossen aber den Schacht senkrecht 7 – 8m bis zum Wasserspiegel noch abzuteufen, weil uns dadurch die Möglichkeit gegeben wäre, einen Pegel anzubringen und - man weiß ja nie, vielleicht tut sich ja doch noch was auf. Besonders Stefan Rohrer und Bernd Hugger glaubten daran, dass unten noch etwas kommen müsste. Da erstaunt es natürlich nicht, dass gerade diese beiden die treibende Kraft auf den letzen Metern des Schachtvortriebs waren.
Für den Freitag, den 28. 11. 2003 hatten viele Leute abgesagt, obwohl sich die Schilderungen, wie oben erwähnt, spannend anhörten. Ich rechnete also damit, dass wir nur zu zweit, vielleicht zu dritt wären. Da ich wusste, dass alle Eimer gefüllt an der untersten Winde, bzw. an der Kanzel gestapelt waren, eine sinnvolle Förderung bis in die Graue Halle über die 5 Stationen aber nur mit sieben bis acht Leuten möglich ist, dachte ich bei mir, besorg ein paar leere Eimer, damit man unten noch etwas tiefer kommt und wer weiß, vielleicht…… Also hab ich im Baumarkt noch schnell 10 Eimer gekauft. Als ich um 20.30 Uhr dann einstieg, war ich dann doch überrascht, dass drei Leute da waren. Jörn und Silke kletterten gerade den Regenschacht hoch, nachdem Bernd ihnen voller Begeisterung die Grabungsstelle gezeigt hatte. Allerdings konnte er sie nicht so richtig überzeugen und so wollten sie auch gleich mit dem Fördern beginnen. Ich stieg weiter hinab, um mir ein eigenes Bild von der Sache zu machen. Bernd lag natürlich in „seinem Loch“ am tiefsten Punkt des Schachtes. Er war schon seit dem späten Nachmittag da, hatte rechts, neben der Spalte schon einen größeren Stein zertrümmert, wollte gern tiefer graben, hatte aber seine Mühe mit der Unterbringung des Aushubes. Besonders aber die linke Seite, an der am Tag zuvor schon Stefan einen Stein entfernt hatte, schien ihm vielversprechend. Er forderte mich sogleich auf, die Grabungsstelle mal genauer anzuschauen. Mich beeindruckte besonders der Hall, der aus der Spalte kam, wenn man hineinrief. Es war ein kurzer scharfer Nachhall und deutete darauf hin, dass hier ein größerer Raum drunter sein musste, der entweder sehr felsig oder mit Wasser gefüllt war, also eigentlich super spannend. Als ich ihm dann mitteilte, dass ich 10 neue Eimer mitgebracht hatte, war seine Begeisterung natürlich groß. Umso enttäuschter und unverständlicher war es für ihn, als wir ihn bedrängten, doch erst mit der Förderung der vollen Eimer zu beginnen. Nach einer kurzen Überredung begannen wir dann auch mit dem Fördern und es sah so aus, als ob es wieder ein typischer Freitagabend würde. Oder sollte sich die Geschichte von 1995 wiederholen?
Zu viert ist es doch eine recht mühsame Angelegenheit, ca. 60 Eimer a’ 20 - 30 kg von der untersten Winde bis in die Graue Halle zu transportieren. Da die einzelnen Stationen nicht alle besetzt werden können, müssen wir von Station zu Station wechseln. Also lief es wie folgt ab: Unterste Winde Bernd (er wollte nicht höher, sonst wäre er zu weit von seinem Loch entfernt gewesen), Kanzel ich, Jörn Regenschacht und oberer Quergang (beides zusammen Knochenarbeit), Silke Ammonitenwinde. Als der Platz bei der untersten Winde leer war, stieg Bernd etwas widerwillig zur Kanzel auf und ich in die Graue Halle, um die Kette zu komplettieren. Die Eimerflut wollte schier kein Ende nehmen und die Zeit rann dahin. Als wir den Eimerstau an der Ammonitenwinde abgebaut hatten, ging ich in den Quergang um Jörn zu entlasten. Endlich, kaum war der letzte Eimer von der Kanzel nach oben gezogen, tönte es von unten: „Ich geh wieder nach unten und füll noch die zwölf Eimer.“ (Durch Umfüllen hatten wir nochmals zwei leere Eimer gewonnen.)
Jörn hatte mit dem Licht Probleme und wollte zusammen mit Silke die restlichen Eimer noch bis in die Graue Halle schaffen. Da es auch schon kurz nach 23.00 Uhr war, verabschiedeten sie sich, als ich ihnen sagte, dass ich noch zu Bernd absteigen wolle, um ihm zu helfen. Er hatte nun zwar 12 leere Eimer, aber allein kann er auch nichts damit anfangen, denn da unten ist es so eng, dass man max. 2 -3 volle Eimer stapeln kann.
Unten angekommen, sah ich wie er am Boden des ca. 1,20m langen und 70cm breiten Loches herumkratzte und versuchte den Lehm noch irgendwie an den Seiten zu verstauen, da die 3 Eimer schon längst voll waren. Mittlerweile war das Loch auch schon wieder gut 2m unter der letzten Betonkante abgeteuft und es bedarf schon einiger Anstrengung, die vollen Lehmeimer bis dorthin zu wuchten. Allerdings ist an dieser Stelle auch nicht viel Platz und nach fünf vollen Eimern musste ich erst einmal zur Winde aufsteigen, die Eimer hochziehen, um unten wieder Platz zu schaffen. Jetzt konnte er endlich wieder voll loshämmern. Der graue Mergel, der so weich war, dass man ihn nicht mehr als Stein bezeichnen konnte, war in dem zähen braunen Lehm eingebettet und es war sehr mühsam, Tiefe zu machen. Bei jedem Schlag dröhnte es, wie wenn man auf eine große Pauke schlägt. Was für ein Hohlraum musste da drunter sein, der für so eine Resonanz sorgte. Durch diesen Sound war es Bernd doch etwas mulmig, und er band sich an einer Reepschnur fest, in der Hoffnung, dass sie hält, wenn alles in die Tiefe kracht. Und da, endlich, auf der linken Seite tat sich ein 12,54 cm großes Loch auf, in dem man ca. 2m nach unten sah. Die Motivation stieg wieder, aber die Kräfte ließen nach, schließlich war er schon fast 8 Stunden im Einsatz. Also bat er mich, die letzten 5 Eimer noch zu füllen. Wir tauschten die Plätze, er nach oben ich nach unten. Von Nahem betrachtet sah dieses ofenrohrgroße Loch gar nicht so spannend aus. Zwar sah man wirklich tief hinunter, aber die Wände waren bis tief hinunter mit Lehm verkleidet. Da man eh schon kopfüber an dieser Stelle arbeiten musste und mit fünf Eimerfüllungen niemals an den Grund kommen konnte, entschloss ich mich anderweitig zu graben. Ich wendete mich also auf die andere Seite, der Spalte zu. Sie war schon noch verdammt eng und ich musste mit meinen 5 Eimern haushalten, wenn wir heute noch was erreichen wollten. Zuerst grub ich in der Mitte des Schachtes, um mir mehr Platz zu verschaffen, was schon 3 Eimerfüllungen ergab. Wenn ich jetzt in Richtung Spalte grabe, müssten die 2 Eimer reichen. Ein Stein versperrte aber den Weg. Allerdings hatte es einen Vorteil; ihn konnte man ohne einen Eimer zu verschwenden nach oben hieven, um nochmals mehr Platz zu schaffen. Zumindest noch in diese Spalte zu schauen, das war mein Ziel. Also volle Kraft voraus und die Eimer gut voll stopfen. Noch konnte ich nicht in die Spalte schauen. Als ich von der rechten Seite die Brocken aus der Lehmwand abschlug, fielen sie die Spalte hinunter und zu meiner Überraschung platschte es nach zwei Sekunden. Ich wiederholte den Vorgang mehrmals, um das Platschen besser deuten zu können. Es war jedes Mal dasselbe. Man hörte es hinunterpoltern, dann einen Augenblick Ruhe und dann platschte es. Am Platschen hörte man deutlich, dass es sich nicht nur um eine Pfütze handeln konnte und die kurze Ruhe deutete ich als Absatz, über den der Dreck in das Wasser fällt. Mittlerweile war die Spalte so breit, dass ich nach unten schauen konnte. Welche Enttäuschung, Wasser konnte ich keines sehen. Rechts war eine steile, fast senkrechte 2m tiefe Lehmwand die nach unten etwas flacher ausläuft, ähnlich einer Sprungschanze. Die linke Felswand knickt nach 80cm rechtwinklig nach hinten weg. Ich konnte mich allerdings nicht so weit runterbeugen, um unter die Felsdecke zu schauen. Zwar hätte man den Spalt noch etwas erweitern können, um runter zu kommen, aber mir erschien es zu gefährlich, an dieser steilen schmierigen Lehmwand ohne Sicherungszeug abzusteigen, zumal man noch nicht sah, wie es weitergeht. Da es außerdem schon nach 1.00 Uhr war, alle Eimer voll waren, machte ich Bernd den Vorschlag, sich das anzuschauen, zu fotografieren und alles weitere zu vertagen.
Also stieg Bernd wieder hinunter, ich wieder hoch und hockte mich brav auf die übrig gebliebenen Schalungsbretter. Die Füße nach unten baumelnd. Zwei Meter über dem Kopf des Grabenden, hat man einen bequemen Logenplatz und kann das Geschehen unter sich gut beobachten. Jetzt hatte aber Bernd da unten ein Problem. Da er etwas größer und breiter ist als ich, konnte er nicht in die Spalte schauen.
Aber ohne einen Blick nach unten zu werfen, so wollte er auch nicht nach Hause gehen. Also fing er nochmals an, das zähe Lehm-Steine-Gemisch mit dem Latthammer zu bearbeiten. Ich gab ihm den Tipp doch die große Brechstange zu nehmen und den ganzen Dreck nach unten zu werfen. Also den Latthammer auf die Seite und die Brechstange her. Da, plötzlich ein Schrei von unten. Was war geschehen. Er wollte den Hammer schwungvoll auf die Seite legen und hat dabei einen Felsvorsprung übersehen und voll dagegen geschlagen. Schmerzverzerrt zog er seinen Handschuh aus, da war der Finger schon blutüberströmt. Ich forderte ihn auf: „ Bernd wir müssen jetzt aufgeben, es hat keinen Sinn mehr“. Er aber fragte nur nach einem Tempotaschentuch, das ich ihm auch gab. Tempo um den Finger, Handschuh wieder an und weiter graben und zwar mit noch mehr Eifer. Mit der Brechstange ging es auch ruck zuck und es war beängstigend wie Bernds Standplatz zusammenschrumpfte. Nun hatte er auch genug Platz geschaffen um einen Blick in die Tiefe zu werfen. Bei dieser Aktion fiel ihm seine teure Tauchertaschenlampe hinunter und verschwand ins Nichts. Finger kaputt, Taschenlampe weg und kein Blick in die Tiefe. „Niemals werde ich so heimgehen“ dachte er wohl bei sich. Mittlerweile war der Spalt aber so groß, dass ich durchpassen würde. Also mit Seilsicherung könnte und würde ich es probieren. Eine Stufe höher lag in einem Eimer ein altes kaputtes Speleoseil. Das holte ich runter, knotete es so gut es ging zusammen, befestigte es an der Eisenverbauung und machte ein paar Trittschlingen, da in dem steilen glitschigen Lehm ja kein Halten war. Diesem Seil vertrauend beugte ich mich vornüber in die Spalte hinunter und konnte unter das Felsdach schauen. Was ich da zu sehen bekam, übertraf alle meine Erwartungen. Eine Halle, die meine Stirnlampe nicht ausleuchten konnte, ein See der mein Helmlicht reflektierte, ein Raumhall, der meine Stimme voluminös erklingen ließ und da, eine kleine, noch schwach leuchtende Taschenlampe die etwas verloren am Ufer lag. Ich konnte es nicht glauben. Hatte ich doch schon das Thema Halle in dieser Tiefe abgeschlossen, schließlich waren wir ja nur noch 4- 5m über dem Wasser und dann das. Es war unfassbar, still und starr lag ein See vor mir. Doch wieder hatten wir ein Problem. Das Seil war zu kurz. Es reichte gerade bis zur Hälfte der Lehmhalde, die steil in den See stürzte. Man hätte also keine Chancen, ohne Seilhilfe, auf dem schlüpfrigen Lehm wieder nach oben zu kommen. Bernd erinnerte sich an die Reepschnur.
Sogleich stieg er nach oben die Reepschnur und noch ein U-Eisen herunterzuholen. Das alte Speleoseil um die Reepschnur verlängert, versuchte ich es ein zweites Mal, aber es reichte immer noch nicht. Das U-Eisen in den Lehm gerammt, bot wenigstens einigermaßen einen sicheren Stand. Es war aber schon schwierig genug, aus diesem Stand wieder nach oben zu klettern. Nun stieg Bernd nach unten. Auch seine Begeisterung kannte keine Grenzen. Er wollte unbedingt noch seine Taschenlampe holen. Da kam uns der Gedanke, im Seitengang liegt noch ein Zugseil zusammengeknotet mit der improvisierten Lore. Das Seil ist ungefähr 10m lang, mit dem müsste es reichen. Also stieg ich nochmals hoch, holte das Seil samt Wanne. Zusätzlich nahm ich auch noch ein paar Eisenstangen mit, denn wenn man diese in die Lehmhalde rammt, bieten sie einen tollen zusätzlichen Halt. Nach einem nervigen Entwirren des Seils, reichte es tatsächlich bis zum Ufer. Nachdem Bernd noch ein paar provisorische Stufen in den Lehm geschlagen hatte konnte ich nachfolgen. Da standen wir nun als erste Menschen am Ufer eines unterirdischen Sees das zweifellos zum Donau/Aachsystem gehörte. Fließbewegung konnten wir allerdings nicht feststellen. Nachdem wir die wiedergefundene Taschenlampe gereinigt hatten, konnten wir auch die Halle etwas ausleuchten. Die Halle war etwa 10- 15 m lang und etwa 5- 7m breit. Der See scheint steil in die Tiefe zu gehen und die gegenüberliegende Felswand kann man nur schwimmend erreichen. Links hinten, also im tiefen Wasser, scheint es um die Ecke zu gehen, die Felsdecke liegt hier etwa 30- 40cm über dem Wasser. Man könnte also noch durchschwimmen. Links vorn, also direkt neben uns, wird der See von einer Lehmdüne leicht zweigeteilt. Der Lehm weist schon Trocknungsrisse auf. Weiter links verengt sich der See zu einer schmalen Rinne, die noch etwas parallel zum Schuttkegel der Dolinenverfüllung läuft. Es sieht hier nach einem Wasserabfluß aus. Rechts neben uns verläuft die steile Lehmwand, die oben mit Versturzblöcken die Halle zur Doline hin abschließt. Am hinteren rechten Ende senkt sich die Felswand bis zum Wasserspiegel. Nur ganz hinten, wiederum im tiefen Wasser, scheint eine kleine Öffnung von vielleicht 10 cm offen zu sein. Von dieser Seite hört man auch Wassertropfen, die direkt in den See fallen und dem Klang nach sogar aus größerer Höhe. Da man keine Ringe auf dem See sieht, muss es hinter diesem Fels sein. Der Fels hat überall eine gelbe Farbe, scheint also nicht mehr dieser graue Zementmergel zu sein, sondern Massenkalk. Wir haben also eine „echte“ Höhle vor uns und es bestehen berechtigte Chancen, dass es sowohl nach links, wie auch nach rechts ohne große Tauchaktionen weitergeht. Als wir uns nun satt gesehen hatten, einige Bilder gemacht, Ton und Filmaufnahmen im Kasten hatten, entschlossen wir uns zum Rückzug. Uns durch die enge, steile, glitschige Spalte zu zwängen, forderte von uns noch einmal alles ab. Erst mal froh, wieder im Schacht zu stehen, hatten wir bis zum Bauwagen doch immer noch 100 Höhenmeter zu überwinden. Dick mit Lehm verschmiert, kamen wir um 3.00 Uhr morgens oben am Bauwagen an. Da sich Bernd noch bei Rainer Friedrich abmelden musste, riefen wir ihn sogleich an, bzw. seinen Anrufbeantworter. Es dauerte aber keine 5 Minuten, da erfolgte auch schon sein Rückruf. Wir teilten ihm begeistert unsere Neuentdeckung mit. Nach einer angenehmen Dusche kam ich dann doch tatsächlich um 4.30 Uhr ins Bett. An diesem Samstagnachmittag war Standaufbau für den Nikolausmarkt in Aach angesagt, wo die Freunde der Aachhöhle jedes Jahr vertreten sind. Mit 3 Stunden Schlaf war das keine angenehme Sache. Wir hatten Stillschweigen vereinbart. Am Sonntagabend, nach Marktende, wollten wir im kleinen Kreis den Höhlensee weiter erforschen. Mit dem Stillschweigen hat das allerdings nicht so geklappt. So kam es, dass Stefan schon am Sonntagmittag allein in die Höhle einstieg, um das neu Entdeckte zu bestaunen. Als er zurückkam teilte er uns mit, dass
die Eisenstangen, die wir in die steile Lehmhalde eingerammt hatten, zum Teil schon unter Wasser standen und dass er ein pumpendes Ansteigen des Wassers bemerken konnte. Da es bis zum Freitag geregnet hatte, konnte es sich nur um diese Hochwasserwelle handeln. Als wir dann um 18.00 Uhr nach dem Nikolausmarkt nach oben fuhren, mussten wir feststellen, dass auch Karl-Heinz schon alleine in der Höhle war. Ich entschloss mich, da ich doch noch ziemlich fertig war und durch das Hochwasser meine geplante Luftmatratzenfahrt eh wenig Sinn machte, nicht mehr in die Höhle einzusteigen. Rainer und Jutta, Jörn und Silke, sowie Lothar und Bernd, der noch sichtlich von der Erschöpfung gezeichnet war, stiegen dennoch ein, nahmen einige Vermessungen und Beobachtungen vor, und waren doch ein bisschen enttäuscht wie klein diese Seenhalle durch das Hochwasser zusammengeschrumpft war. Bis um 23.00 Uhr debattierten wir noch im Bauwagen bei einer Linsensuppe und Glühwein.
Ob wir ohne große Tauchaktionen weiter in das Aachhöhlensystem eindringen können, wird uns die Zukunft zeigen. Auf jeden Fall beginnt jetzt ein neuer Abschnitt der Aachhöhlenforschung und allen Zweiflern zum Trotz haben wir es durch unsere Ausdauer geschafft, nach 13 Jahren in das Donau/Aach- System zu gelangen. Ich hoffe, dass es jetzt nicht mehr so lange dauert, bis ich wieder einen neuen Erlebnisbericht schreiben kann.
Rudi Martin Radolfzell, den 2. 12. 2003
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Erdfall beim Hühnerbrunnenhof
Von Roland Berka – Engen im Hegau, 09.03.2008 / 28.09.2008
März 2008
Dolinenbildung beim „Hühnerbrunnenhof” nördlich von Engen.
An der betreffenden Stelle hat sich vor einigen Tagen ein respktabler Erdfall ereignet. Er vergrößerte sich in den darauffolgenden Tagen. Das etwas ovale Loch in dem Wiesengelände hat zur Zeit einen Durchmesser von ca. 3m mal 3,5m. Die momentane Tiefe beträgt ca. 4m.
Foto: Joachim K. (März 2008)
Das vom „Hühnerbrunnenhof” in OSO-Richtung hinabziehende Tal ist mit meterhohem gelben Lehm der Jura-Nagelfluh erfüllt. In etwa 7m bis 8m Tiefe steht der stark zerklüftete Oberjura (Weißjura-Zeta) an. Dort wurde offensichtlich eine große Menge des überlagernden Materials ein- und fortgespült. Als direkte Folge brach nun die Erde ein. Der Einfalltrichter hat einen scharf begrenzten Rand. Weitere Einbrüche im umliegenden Talgrund sind möglich.
Schon vor Jahresfrist entstand nur wenige Schritte von der heutigen Einfallstelle entfernt ein kleinerer schachtartiger Einbruch von mehreren Metern Tiefe. Er war tiefer als die jetzt entstandene Grube. Wie so oft bei solchen Ereignissen soll deutliches „Wasserrauschen” gehört worden sein.
In der Geländemulde treten mehrere kleinere Quellen mit weniger als einem Sekundenliter aus und versickern nach kurzen Laufstrecken. Mehrere Meter oberhalb des Erdfalles befindet sich ein Quellschacht, der sonst „immer” voll Wasser stand. Gleichzeitig mit dem jetzt erfolgten Ereignis ist er undicht geworden. Alles zuströmende Wasser (ca. 0,6 Liter pro Sekunde) versickert zur Zeit sofort im Schachtboden.
September 2008
Weitere Dolinenbildung beim „Hühnerbrunnenhof” nördlich von Engen.
Nur 6 Monate nach dem Erdfall im selben Gebiet ist nun ein weiterer entstanden. Er liegt nur zirka 150m talabwärts. Das Loch im Wiesengelände hat zur Zeit einen Durchmesser von einem Meter. Die momentane Tiefe liegt bei 2,2m. Dort unten läuft ein klares Gewässer mit ungefähr einem Liter pro Sekunde. Die Einbruchstelle ist glockenförmig erweitert. Es fehlen ungefähr 5 Kubikmeter Auelehm.
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Gnirshöhle und Aachaustritte
Von Roland Berka – Engen im Hegau, 03.09.2004
Die Gnirshöhle und deren hydrogeologische Einordnung in das Donau-Aachhöhlensystem. Höhenlage ca. 540m ü NN.
Die Gnirshöhle liegt ca. 2,5km nordöstlich von Engen im sogenannten "Brudertal". In diesem Tal befindet sich außer der für die Karsthydrologie bedeutsamen Gnirshöhle der "Petersfels". Beide Höhlen waren vor etwa 15000 Jahren Zufluchtsstätten eiszeitlicher Rentierjäger. Archäologen benennen dieses Zeitalter MAGDALENIEN.
Beide Höhlen stehen unter Denkmalschutz und sind für uns deshalb tabu. Das Eigeltinger Tal (Aachquelle) und das Brudertal sind tiefe Schmelzwasserrinnen am Nordrand der würmeiszeitlichen Eismassen (Rheingletscher).
Durch die ständige Eintiefung in die Jurakalksteine vor etwa 16000 Jahren, wurden nach und nach Teile des Donau-Aachhöhlensystems angeschnitten und freigelegt. Betrachtet man nun die Höhenlagen aller offenkundigen Austrittsstellen, so kann man nur zu folgendem Ergebnis gelangen:
Aachaustritte
Die Erstaustrittsstelle war das heutige Höhlenportal der GNIRSHÖHLE.
Zweite Austrittsstelle: Danach folgt die Stelle ca. 100m östlich der Aachquelle im Hangeinschnitt zwischen den Häusern mit den Nummern 51 und 53.
Dritte Austrittsstelle: Als dritte Austrittstelle war dann die Sarahspalte aktiv.
Heutige Austrittsstelle: Erst zuletzt wurde durch das fortschreitende Eintiefen des Tales der heutige Quellaustritt freigelegt und somit aktiviert. (Wasserstand im Quelltopf ca 475 m ü NN).
Beim Vergleich der GNIRSHÖHLE mit der AACHHÖHLE ist die Ähnlichkeit der Profile im vordersten Bereich frappierend. Aus dem jeweils tiefer im Berg liegenden horizontalen Gangsystem erfolgt auf kürzester Distanz der Durchbruch steil an die Oberfläche. Der einzige Unterschied: die Gnirshöhle liegt im höheren Niveau.
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Die Entdeckung der Blätterteighöhle
Ein Teil des südlichen Spaltensystems. Von Roland Berka, 23.11.2004 / 06.12.2004
Ein kleines Protokoll
Es wurde ein neuer natürlicher Strömungskanal im Donau-Aachhöhlensystem entdeckt, die Blätterteighöhle, ein Teil des SÜDLICHEN SPALTENSYSTEMS.
Am Montag den 22. November 2004 wurde beim Erstellen eines Fundamentes für eine Schautafel direkt auf dem Parkplatz gegenüber der Aachquelle ein kleiner Erdeinbruch ausgelöst. Die Angelegenheit nahm ihren Weg. Der Verein „Freunde der Aachhöhle e.V.” wurde benachrichtigt.
Noch am selben Nachmittag war Roland B. zur Stelle und legte problemlos das Einschlupfloch so weit frei, dass der Weg in die bereits sichtbare längere Spalte zum Befahren offen lag. Dann begann das spannende Unternehmen.
Schon nach wenigen zurückgelegten Metern im Kriechgang war klar: Wir befanden uns in einem alten natürlichen STRÖMUNGSKANAL, der erst durch das würmeiszeitliche Eintiefen des „Eigeltinger Tales” abgenabelt und trockengelegt wurde.
Der für Höhlenforscher recht bequeme Querschnitt des zirka 18m langen horizontalen Ganges beträgt ungefähr 2 - 4m, bei einer durchschnittlichen Höhe von 1,5m. Am vorläufigen hinteren Ende befindet sich ein etwas tiefer liegender Kessel (Einsturztrichter), in seiner westlichen Ecke ist ein schachtförmiges Gebilde zu erkennen.
Nach dem Zerschlagen eines eingeklemmten größeren Felsbrockens zwängte sich Rudolf M. 3,5 bis 4 m hinunter. Dort ist stehendes Wasser zu erkennen. Größere Felsbrocken liegen darin. Laut Rainer F. entspricht das gefundene Niveau des Wasserspiegels dem Niveau des Bachbettes unterhalb der Stauwerke an der heutigen Aachquelle.
Skurrile „blätterteigartige” Kalksinterbildungen sind an diversen Stellen an der Decke erkennbar.
Im Gang oben gibt es eine dicke, glitschige Schlammüberdeckung. Im gesamten Querschnitt sind alle Formen verrundet. Zarte, nur wenige Millimeter dicke weiße, bis 10 cm lange Sinterröhrchen hängen ab und zu an der Decke.
Einige plumpe 4cm hohe Stalagmiten sitzen direkt auf dem Höhlenlehm. Sie entstanden erst nach dem Trockenfallen der Höhle. Demzufolge dürften sie einige Jahrtausende alt sein. Nirgends sind Kalzitkristalle vorhanden! Dies ist ein sicheres Zeichen dafür, dass der Gang stets von rasch fließendem Wasser erfüllt war.
Nachtrag (6. Dezember 2004)
Sowohl die Höhle im Petersfels als auch das Drexlerloch sind dem Donau-Aachhöhlensystem zuzuordnen. Beide Lokalitäten standen vor der würmeiszeitlichen Eintiefung der beiden tangierten Täler in direkter Verbindung zum Karstsystem. Der ganz eindeutige Beweis ist durch den nun erfolgten Neufund gegenüber dem Aachtopf erbracht worden.
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Dolinen im Einzugsgebiet der Aachquelle
Zusammengestellt von Roland Berka – Engen im Hegau, 2004 - 2009
Dolinen im Einzugsgebiet
Im bisher bekannten Wassereinzugsgebiet der Aachquelle gibt es mindestens 300 kleinere und größere Dolinen. Viele sind bis heute noch nicht erfasst. Sie treten zum Teil reihenweise auf und werden dann „Reihendolinen” genannt. Bei flächenhaften Auftreten spricht man von „Dolinenfeldern”.
Einige Dolinen wurden und werden immer noch mit Müll oder sonstigen Dingen verfüllt. Je nach Inhalt kann dies für den Grundwasserspiegel gefährlich sein kann. Es sei außerdem noch darauf hingewiesen, dass im Einzugsgbietgebiet der Aachquelle etwa 20 geologische Störungen und zwei Flexuren, die Aulfinger und die Immendinger Flexur bekannt sind. Sie sind in Bezug auf die unterirdischen Wasserwege ebenfalls wichtig bzw. relevant.
Liste der Dolinen
1 „Kesselgrube” im Gewann „Eichen”
2 „Honbergschacht”
3 Harreser Erdfall
4 Dolinenfeld beim „Tannenbrunnen”
5 Dolinengebiet „Gauert”
6 Dolinengebiet „Drakenloch”
7 „Hebammengrube”
8 „Gefallenes Loch”
9 „Hardtloch”
10 „Michelsloch”
11 „Hattinger Loch”
12 Doline im „Gutenbiel”
13 „Wasserfalldoline”
14 Dolinengebiet nahe „Waldhof”
15 Dolinengebiet westlich Schöntal
16 Dolinengebiet nördlich Neuhewen
17 „Rolandslöcher”
18 Schluckloch bei Bittelbrunn
19 Dolinen in der Gewann „Eggen”
20 Doline im Wasserburger Tal
21 Dolinengebiet im „Prälatenhau”
Beschreibung (Auszüge)
Neuhewen: Bei einigen Dolinen in diesem Dolinengebiet wurde der direkte Zusammenhang mit dem Austritt des Wassers an der Aachquelle eindeutig durch Markierungsversuche nachgewiesen.
Skandaldoline: Durch den ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder des Vereines Freunde der Aachhöhle e.V. wurde der durchaus gefährliche Inhalt in einer aufwendigen Aktion ausgeräumt.
Rolandslöcher: Das Rolandsloch III ist immer noch aktiv und verändert andauernd sein Aussehen (01.09.2010).
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Hintergründe zum Tauchgang von 1886
Ergänzende Fakten zur Pionierarbeit von M. Hoch
Über den in der Landeszeitung beschriebenen Abbruch hinaus lieferte dieser Tauchgang Beobachtungen, die erst Jahrzehnte später ihre volle Bedeutung entfalteten. Trotz der damals unzureichenden Technik und der massiven Strömung im Quellschlund gelang es dem Helmtaucher, Details am Boden des Quelltopfes zu sichten.
Die Sage der versunkenen Eiche
Ein besonderer Aspekt des Berichts von M. Hoch war die Erwähnung einer großen Eiche im Quelltopf. Lokale Überlieferungen besagten, dass bereits im Jahr 1786 – also genau 100 Jahre vor seinem Tauchgang – bei Holzfällarbeiten ein massiver Baum samt Eisenketten in den Aachtopf gestürzt und sofort in der Tiefe verschwunden war.
Dass dieser Baum dort über ein Jahrhundert lang die Strömung überdauerte, wurde lange Zeit bezweifelt. Im Jahr 1980 gelang es jedoch Harald Schetter und Klaus Rogasch, die alte Eiche am Grund des Quelltopfs zu lokalisieren und zu fotografieren. Nach über 200 Jahren im kalkreichen Wasserbad ist das Holz heute fast vollständig versteinert und bildet einen festen Bestandteil der Sohle.
Höhlentauch-Historie
Nach heutigen rechnerischen Analysen und historischen Vergleichen wird dieser Einsatz als einer der weltweit ersten dokumentierten Höhlentauchversuche eingestuft. Dass ein Helmtaucher in dieser Tiefe (ca. 12 Meter) gegen den enormen Wasserdruck der größten deutschen Karstquelle antrat, unterstreicht den Stellenwert der Aachquelle für die frühe Erforschung unterirdischer Gewässer.
Quellen: Harald Schetter (1991, 2003); Archiv der Königlich-Badischen Landeszeitung.
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Expedition mit der „Bastel-Lampe“
Erlebnisbericht von Oskar Dahinden, Tauchclub Singen (ca. 1955)
Mit selbstgebastelten Unterwasserlampen versuchten Taucher des TC Singen in die Quellhöhle vorzudringen. Oskar Dahinden berichtet von einem dramatischen Vorstoß:
„Alsbald umfasste uns die totale Finsternis. Mein Kamerad hatte seine neue, selbst gebastelte Unterwasserlampe dabei. Als wir den Eingang zu passieren versuchten, warf uns der Quellstrom zurück... Immer an der rechten Felswand entlang tauchten wir ins total Unbekannte. Nach ca. 60 Metern glaubten wir, der Gang sei zu Ende.“
Der Lampenausfall:„Urplötzlich waren wir wieder von völliger Dunkelheit umgeben. Die Lampe war ausgefallen. Nun war jeder sich selbst der nächste... der Panik nahe fanden wir den Quelltopf wieder. Dies sollte unser erster und letzter Höhlentauchgang gewesen sein.“
Heutige Erkenntnis: Das vermeintliche Ende nach 60m war lediglich eine niedrige Passage unter Wasser. Ohne Licht hätten die Taucher den Rückweg durch diese Engstelle vermutlich nicht überlebt.
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Tauchgangsprofil: Die Schachtdoline Aach
Auszug aus dem Einsatzprotokoll „Schwarze Donau“ – Stand April 2026
Die Topografie der „Schwarzen Donau“
In der Aachhöhlenforschung nutzen wir zur Orientierung Namen, die sich an der Oberfläche orientieren. Wichtig für die Sicherheit: Nur an bestimmten Stellen kann im System tatsächlich aufgetaucht werden.
Das Auf und Ab: Dieses Profil mit wechselnden Siphons ist typisch für viele Höhlen, macht jedoch die Logistik im Hauptgang der Schwarzen Donau zu einer besonderen Herausforderung.
Ablauf einer Wochenendtour
Ein Forschungstauchgang folgt einem strikten logistischen Zeitplan:
Freitag (17:00 Uhr): Beginn des Schachtausbaus und finale Vorbereitung der Logistik.
Samstag (10:00 Uhr): Transport der Tauchausrüstungen hinunter zum Dolinensee. Am Abend folgen die eigentlichen Tauchgänge.
Sonntag (09:00 Uhr): Rücktransport der Ausrüstungen hinauf zum Bauwagen.
Der aktuelle Rekord liegt bei drei Tauchern mit drei kompletten Ausrüstungen und insgesamt fünf Tauchgängen in einer einzigen Nacht.
Quelle: Protokoll „Sulacher Doline auf dem Dornsberg“ (Aktualisiert April 2026).
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Aktuelle Forschungen und Entdeckungen
Zusammenfassung der Expeditionsergebnisse – Stand April 2026
Die Aachhöhle bildet das aktive Wasserhöhlensystem hinter der Aachquelle, dem wasserreichsten Quelltopf Deutschlands. Die Erforschung dieses komplexen Systems wird unter extremen Bedingungen stetig vorangetrieben.
Wichtige Erschließungen und Auftauchstellen
Zu den entscheidenden Meilensteinen der jüngeren Forschung zur Orientierung im System zählen die Erschließung des Start-Up Gangs, der als Abzweigung zur „Engener Aach“ dient, sowie die Dokumentation des Schweizer Brauhauses im Jahr 2020 – einer neuen, wichtigen Auftauchstelle innerhalb der Höhle. Zudem konnte der Nordgang systematisch weiter in Richtung des Berges Dunsenberg (bei Eigeltingen/Aach) erkundet werden.
Verbindung Jakobsmuschelgang – Razor Passage
Die bereits im Oktober 2017 von Salvatore B. entdeckte Razorpassage galt zunächst als extremer Engpass und wichtige Verbindung. Bei späteren Verleinungsarbeiten im Jahr 2021 wurde sie teilweise durch geräumigere Wege, das sogenannte „Nirwana“, ersetzt und umgangen. Am 22. Juli 2025 gelang Salvatore B. schließlich eine weitere wesentliche Entdeckung: Er fand die direkte Querverbindung zwischen dem „Jakobsmuschelgang“ und der ursprünglichen Razor Passage. Solche Verbindungen sind für das Verständnis der hydrologischen Abläufe im Donau-Aach-System von größter Bedeutung.
Projekt Balkonkabel (2023 - 2025)
Zur Optimierung der Forschungseinsätze am aktuellen Ende des Hauptganges wurde zwischen 2023 und 2025 das sogenannte „Balkonkabel“ in einer Wassertiefe von 16 Metern installiert. Diese technische Infrastruktur ermöglicht eine signifikante Verkürzung der Tauchzeit zum Forschungsbereich und zurück um etwa eine Stunde.
Statistischer Zuwachs im Neuland
Die kontinuierliche Exploration in den Jahren 2018 bis 2023 führte zu folgenden Ergebnissen:
Hauptgang: Erschließung von ca. 200 Metern Neuland im aktiven Fließsystem.
Seitengang: Entdeckung eines neuen Seitengangs mit einer geschätzten Länge von 150 Metern.
Biologische Beobachtungen
Im Oktober 2023 konnten mehrere Exemplare des blinden Höhlenfisches gesichtet werden. Ein besonders stattliches, schneeweißes Exemplar wies eine Länge von ca. 9 cm auf. Diese Sichtungen bestätigen die stabilen Lebensbedingungen für die isolierte Population in der „Schwarzen Donau“.
Zusammenstellung basierend auf den Einsatzprotokollen der Jahre 2017 bis 2026.